Wieviel Wärmeenergie verbraucht mein Haus?
Jedes Haus hat einen bestimmten Bedarf an Wärme. Die Wärme ist notwendig, dass Sie sich in ihren eigenen vier Wänden wohl fühlen.
Je nach Baujahr des Hauses gibt es zum Bauzeitpunkt eine gesetzliche Regelung, wie hoch der Wärmebedarf der Immobilie sein darf. Der Wärmebedarf war Grundlage der verwendeten Materialien, die dann einzeln für sich auch wieder bestimmte Wärmeeigenschaften aufweisen. Dieser Wärmebedarf wird in kWh/m²/Jahr deklariert und wurde gesetzlich definiert.
Das erste Gesetz war das sogenannte Energieeinsparungsgesetz (EnEG), das 1977 mit der Wärmeschutzverordnung (WärmeschutzV) verbindlich den Energiebedarf von Neubauten regelte. Die Verordnung wurde noch zwei Mal novelliert, 1984 und 1995.
2002 wurde die Wärmeschutzverordnung dann von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst.
Neuerung der EnEV war die Ausweitung des Energiebedarfs auf den Primärenergieeinsatz, statt nur die Wärme zu betrachten. Die neueste Novellierung der EnEV trat 2014 in Kraft.
Für Deutschland ist es wichtig, verbindlich Wärmeverbrauchsstandards zu definieren, da der Sektor private Haushalte in Deutschland etwa 27 % des deutschen Gesamtenergiebedarfs stellt.
Der Gesamtenergiebedarf wiederum steht im direkten Zusammenhang mit dem CO2-Ausstoß. Der CO2-Ausstoß ist an verbindliche Einsparziele auf EU-Ebene verbunden, zu denen sich Deutschland verbindlich verpflichtet hat.
Die Grafik veranschaulicht, wo überall in Ihrem Haus Wärmeverluste entstehen. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt die Immobilie gebaut wurde, gibt es verbindliche Regelungen, wie hoch der Gesamtbedarf an Wärme sein darf. Natürlich haben sich im Laufe der Zeit die Baumaterialien an die Anforderungen der Bauwirtschaft und die gesetzlichen Regelungen angepasst. Folgende Tabelle zeigt den Wärmebedarf von Immobilien der verschiedenen Baujahre.
| Standard | Heizwärmebedarf Qh |
Primärenergiebedarf QP |
|---|---|---|
| Nicht saniertes Wohnhaus, Baujahr 1960–1980 | 300 kWh/(m²·a) | |
| Durchschnitt Deutschland 2002 | 160 kWh/(m²·a) | |
| Wärmeschutzverordnung (WSVO 77) | ≤ 250 kWh/(m²·a) | |
| Wärmeschutzverordnung (WSVO 82) | ≤ 150 kWh/(m²·a) | |
| Wärmeschutzverordnung (WSVO 95) | ≤ 100 kWh/(m²·a) | |
| Niedrigenergiehaus (EnEV 2002) | ≤ 70 kWh/(m²·a) | |
| KfW-60-Haus (EnEV 2004) | ≤ 60 kWh/(m²·a) | |
| KfW-40-Haus (EnEV 2004) | ≤ 40 kWh/(m²·a) | |
| KfW-Effizienzhaus 70 (EnEV 2007) | ≤ 60 kWh/(m²·a) | |
| KfW-Effizienzhaus 55 (EnEV 2007) | ≤ 40 kWh/(m²·a) | |
| KfW-Effizienzhaus 85 (EnEV 2009) | ≤ 55 kWh/(m²·a) | ≤ 85 % Höchstwert EnEV 2009 (ca. 50 kWh/(m²·a)) |
| KfW-Effizienzhaus 70 (EnEV 2009) | ≤ 45 kWh/(m²·a) | ≤ 70 % Höchstwert EnEV 2009 |
| KfW-Effizienzhaus 55 (EnEV 2009) | ≤ 35 kWh/(m²·a) | ≤ 55 % Höchstwert EnEV 2009 |
| KfW-Effizienzhaus 40 (EnEV 2009) | ≤ 25 kWh/(m²·a) | ≤ 40 % Höchstwert EnEV 2009 |
| Passivhaus (PHPP) | ≤ 15 kWh/(m²·a) | ≤ 120 kWh/(m²·a) |
Beispielweise hat eine Immobilie mit dem Baujahr 1975, 150 m² Wohnfläche, einen Heizwärmebedarf von 180 kWh/m²/Jahr und einen Trinkwasserbedarf von 12,5 kWh/m²/Jahr.
Insgesamt ist der Wärmebedarf also 192,5 kWh/m²/Jahr, gesamt also: 192,5 kWh * 150 qm = 28.875 kWh/ Jahr.
Umgerechnet hat der Haushalt also einen Bedarf von 2.887,5 l Heizöl, oder 2.887,5 m³ Gas, wenn ein Umrechnungsfaktor von 10 zugrunde gelegt wird*. (1 l Heizöl = 10 kWh Wärme, analog Gas).
Der Gaspreis schwankt zwischen 6 und 8 Cent und somit liegen die Heizkosten bei 28.875 kWh * 0,06 Cent (0,08 Cent) = 1.732,5 € (2.310 €).
Der Ölpreis schwankt hingegen zwischen 70 Cent und 95 Cent, damit fallen jährliche Heizkosten von 2012,25 € bzw. 2.743,13 € an.
Die Grafik verdeutlicht nochmal, wo Wärmeverluste in einem Gebäude entstehen, diese Werte können je nach Alter der Immobilie auch schwanken.
Wenn Sie mit Gas oder Öl heizen, ergibt sich hieraus automatisch immer eine gewisse Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit drückt sich z.B. in schwankenden Preisen aus. Um sich von dieser Abhängigkeit ein klein wenig zu lösen, liegt der Gedanke nahe, Energie auf Basis erneuerbarer Energien, die ja unbegrenzt und umsonst verfügbar sind, selbst zu erzeugen.
Im Bereich Wärme stehen prinzipiell drei verschiedene Bereiche zur Wahl: Solarenergie, Holz und Wärmepumpenwärme aus den Elementen Luft, dem Boden und Wasser.
* Der Umrechnungsfaktor 10 ist ein allgemein pauschaler Wert, der Umrechnungsfaktor schwankt nach örtlichen Gegebenheiten zwischen 7 und 14.
